Eine Neuigkeit von Balance Management

Führen mit Kennzahlen – zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren BGM-Experten

Haben Sie sich schon eine Teflon-Schicht zugelegt, wenn es wieder mal um die Steigerung der Kennzahlen geht, Downsizing und Outsourcing im Raum stehen anstatt Verstärkung der Ressourcen und Sie aus Ihrem reduzierten Team noch mehr Leistung herauspressen sollen?
Das Führen mit Zielvorgaben und Kennzahlen gehört heute zum Standard vieler Unternehmen, ohne dass diese sich ausreichend über deren Nebenwirkungen im Klaren sind. Ursprünglich sollten diese neuen Steuerungsformen Transparenz und Freiräume schaffen und bis in die untersten Ebenen unternehmerisches Handeln fördern. Zunehmend degenerieren sie aber zu Druckmitteln, um alles dem Shareholder-Value-Ziel unterzuordnen: der kurzfristig zu erreichenden Steigerung der Gewinnmarge und des Unternehmenswertes ohne Rücksicht auf andere Stakeholder wie Mitarbeiter oder langfristige Perspektiven.

Unerwünschte Effekte
Auf den Beipackzettel gehören darum folgende Warnungen:
- Kann zu Tunnelblick führen: Denn durch die Fixierung auf die individualisierten Ziele von Einzelnen, Teams und Abteilungen wird das Denken und Handeln im Sinne des Ganzen behindert; alle werden zu Konkurrenten, denn wenn letztlich nur das Erreichen meiner Ziele zählt, warum soll ich dann Kollegen/andere Abteilungen unterstützen?
- Kann, besonders in Verbindung mit Boni, zu Sinn- und Motivationsverlust führen: Denn so wird die Vermehrung des Vermögens von Shareholdern zum Unternehmenszweck und die Steigerung/Sicherung des eigenen Einkommens zum eigentlichen Arbeitsziel; wer aber Leistung fordern will, muss Sinn bieten können (W.Böckmann); Steigerung von Kennzahlen motiviert nicht, zumal jeder weiß, dass sie bei Erreichung schon längst nicht mehr genügen.
- Kann aus Verantwortungswilligen bloße Follower machen: Denn Ziele werden vom Board vorgegeben und degradieren damit auch Führungskräfte zu ausführenden Lakaien.
- Kann zu blindem Aktionismus führen: Dann wird drauf los optimiert, koste es, was es wolle, und alle Augenblicke eine neue „Sau durchs Dorf getrieben“.
- Kann zu „kreativer Buchhaltung“ führen: Denn letztlich ist alles irgendwie auf „grün“ zu bekommen.
- Kann zu „interessierter Selbstgefährdung führen: Führungskräfte wissen dann zwar, was gut für sie wäre, tun aber, was schlecht für sie ist, um den Erfolg nicht zu gefährden (dehnen freiwillig Arbeitszeit aus, verzichten auf Freizeitaktivitäten und soziale Kontakte) und „bezahlen“ mit ihrer Gesundheit.

BGM als strategische Option
Alles in allem können diese Nebenwirkungen Gesundheit, Motivation und Commitment der Mannschaft erheblich beeinträchtigen. Dagegen helfen kein Apfeltag, kein Zuschuss zum Sportstudio und keine Schritte-Challenge („wir machen doch schon was im Betrieblichen Gesundheitsmanagement!“). Erforderlich ist -wie beim Einsatz von Medikamenten- eine sorgfältige Beobachtung der Wirkungen und ein rechtzeitiges Gegensteuern. Unternehmen müssten nicht nur aus schon längst bestehender gesetzlicher Verpflichtung, sondern vielmehr im eigenen Interesse ihre Maßnahmen zur Arbeitssicherheit und Ergonomie um eine psychische Gefährdungsbeurteilung ergänzen mit der Bereitschaft, auch an den Rahmenbedingungen der Arbeit etwas zu verändern. Müssten! Aber wahrscheinlich ist der „Symptomdruck“ auf die Unternehmen noch nicht hoch genug. Auf die Mitarbeitenden schon!

Erstellt am 23.03.2018 von

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