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Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten aus Sicht der Arbeitsvermittler

Geringe Sprachkenntnisse und nicht verwertbare Qualifikationen aus dem Herkunftsland, Betreuungspflichten gegenüber Kindern und Angehörigen sowie die Unkenntnis von Rollenvorstellungen, Sitten und Gebräuchen am deutschen Arbeitsmarkt – dies sind die häufigsten Schwierigkeiten, die Arbeitsvermittler von Arbeitsagenturen und Jobcentern im Rahmen einer Befragung nannten (IAB-Kurzbericht 25/2018). Hinzu kämen besondere Herausforderungen bei der Arbeitsmarktintegration von weiblichen Geflüchteten, die andere Maßnahmen als männliche Geflüchtete benötigten.

Im August 2018 waren ca. 188.000 Personen „im Kontext Fluchtmigration“ bei einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter als arbeitslos gemeldet und etwa 617.000 im Leistungsbezug. Diese Personen müssen die Fluchterfahrungen bewältigen und sich in einem fremden Land mit anderen kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen orientieren. Dabei ist die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit mit einem entsprechenden Einkommen ein entscheidender Schritt zu einem selbstbestimmten Leben. Sie schafft darüber hinaus neue soziale Kontakte und dient so insbesondere der Integration.

Aus Sicht der Arbeitsvermittler in Arbeitsagenturen und Jobcentern ergeben sich aufgrund der Fluchterfahrungen sowie kultureller und sprachlicher Unterschiede spezifische Bedarfe von Geflüchteten, die erheblich von denen anderer Arbeitsloser abweichen können. Sie müssen die Arbeitsmarktchancen von Geflüchteten einschätzen, die keine in Deutschland übliche Bildungs- und Erwerbsbiografie aufweisen bzw. deren Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht verwertbar sind.

Die als hauptsächliches Hindernis bei der Aufnahme einer Arbeitstätigkeit genannten geringen Sprachkenntnisse sind allerdings aus Sicht der Verfasserin nicht so selten von den befragten Institutionen der Arbeitsverwaltung „hausgemacht“. Bevorzugt werden nämlich seitens der Arbeitsverwaltung aus Kostengründen die Intensivkurse, d.h. 20 bis 25 Stunden Sprachunterricht pro Woche, zuzüglich Zeit für Vor- und Nachbereitung. Dies stellt insbesondere für Lernungewohnte eine oft nicht ansatzweise zu bewältigende Belastung dar, zumal die Wohnverhältnisse häufig nicht dazu geeignet sind, eine geeignete Atmosphäre zum konzentrierten Lernen zu gewährleisten. Intensivkurse haben keine Wiederholungsschleifen, was selbst bei Hochschulabsolventen dazu führen kann, dass sie bisweilen eklatante Lücken in ihren Basiskenntnissen behalten. Diese sprachlichen Lücken bleiben über viele Jahre oder für immer bestehen und wirken sich negativ auf die berufliche Qualifikation aus.

Auch weiterer Kompetenzerwerb mit dem Ziel der Angleichung der beruflichen Kenntnisse an die Erfordernisse des deutschen Arbeitsmarkts stößt bei sprachlichen Mängeln an seine Grenzen, denn der Lernende ist nicht in der Lage, seine erworbenen Fachkenntnisse sprachlich umzusetzen. Somit „rächt“ sich der Besuch der Intensivkurse eventuell nachhaltig und doppelt negativ und verursacht daher höhere Kosten durch den längeren Leistungsbezug.

Da es insgesamt kompliziert ist, betriebliche Stellenanforderungen und die individuelle Situation von Geflüchteten zur Übereinstimmung zu bringen, kann aus Sicht der Vermittler die Beratung und Vermittlung kaum auf Basis standardisierter Prozesse ohne Berücksichtigung des Einzelfalls gelingen. Deshalb bedürfe es einer höheren fachlichen Spezialisierung und einer entsprechenden Organisation der Beratungs- und Vermittlungstätigkeit. Nur so könne eine weitere Qualifizierung und das Ziel einer nachhaltigen Integration erreicht werden, wobei für die besonderen Bedarfe geflüchteter Frauen noch neue Ansätze zu entwickeln wären.

Erstellt am 16.12.2018 von

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