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"Man fängt bei Null an ..."

Wie sieht eigentlich so ein Leben aus, nach der Flucht, so irgendwo zwischen Ankommen und „Noch-nicht-richtig-angekommen-Sein“?

Da gibt es viele Baustellen.

Die Wohnung, die man mit viel Mühe und mit viel Unterstützung gefunden hat, ist nur ein Notbehelf und mit zwei Zimmern für eine Familie mit zwei Kindern viel zu klein. Außerdem liegt sie am Stadtrand, was lange Fahrtzeiten zur Sprachschule, zum Praktikumsplatz, zum Kindergarten usw. bedeutet. Die Möbel sind, selbstverständlich, alt, geschenkt und „second hand“.

Die Gesundheit ist aufgrund des Kriegsgeschehens und der Fluchterlebnisse manchmal noch etwas angeschlagen.

SGB II ist besser als ein Herkunftsland, in dem alle Sozialsysteme zusammengebrochen sind, aber noch lange nicht eine gute Lebensgrundlage. Für ein Leben, ähnlich komfortabel wie im Herkunftsland, müsste man Anschaffungen machen. Das geht nur mit qualifizierter Berufstätigkeit.

Man müsste also einen guten Job haben. Genau hier liegt aber das Problem. Zuerst muss die neue Sprache gelernt werden, mindestens bis Niveau B2.2, was im Normalfall mit Wartezeiten auf einen Platz im Kurs mindestens zwei Jahre dauert. Ein Studienabschluss muss anerkannt werden, was sogar über eine spezialisierte Fachberatung im Durchschnitt fünf Monate braucht. Die Voraussetzung ist allerdings, dass man nicht nur die entsprechenden Informationen über die Anerkennungsverfahren frühzeitig bekommt, sondern dass man vor allem die entsprechenden Nachweise über Diplome, Studium, Schulabschlüsse usw. vorlegen kann – das ist schwierig bei einer überstürzten Flucht aus Angst, bei einer nach dem Volltreffer einer Bombe abgebrannten Haus usw.

Überhaupt Bildung: Deutschland braucht Fachkräfte. Das steht jeden Tag in der Zeitung. Viele, die z.B. in 2015 zugewandert sind, haben eine gute Bildung, Ausbildung, Studium und Qualifikationen mitgebracht. Aber: Passt das in Deutschland? Kann ich das erworbene Wissen in Deutschland gebrauchen, oder muss ich von vorne anfangen?

Die Hauptbeschäftigung besteht darin, sich sein Leben nach der Flucht neu zusammenzubauen. Und viele sagen: „Man fängt bei Null an …“


Erstellt am 04.11.2018 von

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