Die Franchisebranche zeigt seit Jahren ein überproportionales Wachstum und gilt auch als Wachstumsmotor für die Zukunft. Was ist Franchising eigentlich und warum erfreut sich dieses Vertriebssystem so großer Beliebtheit?
Hier lesen Sie alles über das Grundprinzip, die Entwicklung und Bedeutung des modernen Franchising sowie die Abgrenzung gegenüber anderen Vertriebssystemen.

Das Grundprinzip

Bei Franchising übernimmt der Franchisenehmer das erprobte Geschäftskonzept des Franchisegebers und baut innerhalb der festgelegten Rahmenbedingungen selbständig sein eigenes Unternehmen auf. Ein Hauptmerkmal von Franchising ist dabei die strikte Arbeitsteilung zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer.

Der Franchisegeber entwickelt ein markttaugliches, praxiserprobtes Geschäftskonzept. Er sorgt für die sorgfältige Ausbildung der Franchisenehmer, ihre fortlaufende Unterstützung und die ständige Weiterentwicklung des Systems. Für dieses Paket berechnet er dem Franchisenehmer in der Regel eine Eintrittsgebühr und laufende Franchisegebühren.

Der Franchisenehmer erwirbt vom Franchisegeber die Rechte zur Nutzung seines Geschäftskonzepts in einer festgelegten Region. Er profitiert vom Dienstleistungs- und Informationsangebot des Franchisegebers und von dessen Positionierung auf dem Markt. Er kann als Existenzgründer von Beginn an unter einer etablierten Marke agieren und den Bekanntheitsgrad des Systems für seinen eigenen Erfolg nutzen.

Sowohl Franchisegeber als auch Franchisenehmer sind selbstständige Unternehmer und arbeiten im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Beide Seiten halten sich an vertraglich festgelegte Rechte und Pflichten. Als Motto für den Franchisenehmer gilt: Selbständig, aber nicht auf sich allein gestellt.

Historische Entwicklung

Der Begriff „Franchise“ wurde ursprünglich im mittelalterlichen Frankreich geprägt. Er bezeichnete damals die Befreiung von Zöllen, Steuern und anderen Abgaben.

Als Mutterland des modernen „Business Format Franchising“ gelten die USA. Zu den Pionieren gehörte die amerikanische Nähmaschinenfabrik Singer. Das Unternehmen vergab bereits Mitte des 19ten Jahrhunderts fahrenden Händlern eine Lizenz, seine Produkte zu vertreiben.

Die weltweite Verbreitung von Franchising begann nach dem zweiten Weltkrieg. Zu den Wegbereitern zählt die Fast-Food-Kette McDonald’s. Ab 1955 bot der Firmengründer Ray Kroc seine Produktpalette inklusive eines kompletten Restaurant-Designs, professioneller Werbung und umfangreicher Schulungen Franchisepartnern an. Das Restaurant-Netz zählt heute über 34.000 Restaurants, die bis auf geringfügige Abweichungen weltweit mit einheitlichem Design, gleicher Organisation und Produkten arbeiten.

In den 70er Jahren gelang dem modernen Franchising auch in Europa der Durchbruch. Wer noch immer glaubt, Franchising beschränke sich vor allem auf Gaststättengewerbe und Einzelhandel, der irrt sich. Franchisesysteme existieren mittlerweile in nahezu allen Branchen.

Abgrenzung gegenüber anderen Vertriebsformen

Franchising ist eine moderne Vertriebsmethode und zeichnet sich durch eine Partnerschaft für den gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolg aus.

Auf den ersten Blick ähneln Franchisesysteme Filialsystemen. In beiden Fällen errichtet eine Systemzentrale ein Vertriebsnetz, in dem die Aufgaben zwischen Zentrale und Betrieben geteilt sind, koordiniert die Marketing-Aktivitäten und sorgt für einen einheitlichen Marktauftritt. Der Unterschied liegt in den einzelnen Betrieben. Bei Filialunternehmen leitet ein Angestellter ohne unternehmerisches Risiko die Niederlassung, bei Franchisesystemen leitet ein selbständiger Unternehmer die Einheit, der auf eigene Rechnung handelt, was eine hohe Motivation mit sich bringt. Franchising verbindet damit die Vorteile von Großunternehmen (Marktmacht) mit der Marktnähe von mittelständischen Unternehmen.

Im Gegensatz zum System freier Handelsvertreter oder Vertragshändler, die auf eigene Rechnung für einen oder mehrere Hersteller tätig sind, ist der Franchisepartner stärker in das System eingebunden. Ein Franchisesystem besitzt ein strafferes Marketing- und Organisationskonzept und profitiert daher von Synergieeffekten und einem einheitlichen Marktauftritt. Bei einem Kooperations- oder Genossenschaftssystem stehen die einzelnen Partner auf derselben Wirtschaftstufe und sind nur lose miteinander verbunden. Es gibt kein Überwachungsrecht gegenüber den einzelnen Partnern. In einem Franchisesystem dagegen kann der Franchisegeber zum Schutz des Systems die Einhaltung bestimmter Vorgaben vertraglich festlegen.

Vor- und Nachteile von Franchising aus Sicht des Franchisenehmers

Wer eine Unternehmensgründung als Franchisenehmer plant, sollte sich über die Vor- und Nachteile des Modells im Klaren sein.

Vorteile

Die Verbindung von Marktmacht – gewährleistet durch den gemeinsamen Marktauftritt- und Marktnähe auf Grund von regionalen Strukturen bringt Franchisesystemen viele Vorteile.

Weniger Risiko
Ein erprobtes Geschäftskonzept und die Hilfestellung der Systemzentrale geben eine höhere Sicherheit auf dem Weg in die Selbständigkeit. Laut einer Studie der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster ist die Quote der gescheiterten Franchisenehmer signifikant geringer als die Quote bei anderen Existenzgründern. Einen Auszug aus der Studie finden Sie hier.

Höherer Bekanntheitsgrad
Der Franchisenehmer profitiert von der Markenbekanntheit und dem Image des Systems, die wiederum von der Marktdurchdringung und Reife des Systems abhängen. Er kann seinen eigenen Markteintritt in der Regel schneller gestalten und von einem Vertrauensvorschuss, sowohl bei Kunden als auch bei Geldgebern und Kooperationspartnern, profitieren.

Synergieeffekte schaffen Kostenvorteile
Die Zentrale erhöht durch die Koordination der Maßnahmen die Schlagkraft des Systems. Größenvorteile wirken sich auch auf die Einkaufskonditionen aus und schaffen für alle Seiten Kostenersparnisse. Definierte Prozesse sorgen für eine schnelle und professionelle Umsetzung von Maßnahmen.

Das Netzwerk stärkt die Motivation
Die Zusammenarbeit innerhalb des gemeinsamen Systems trägt zur Steigerung der Leistungen aller Mitglieder bei. Durch den regelmäßigen Erfahrungs- und Ideenaustausch schöpfen alle Beteiligten immer wieder Motivation und Kraft.

Nachteile

Eingeschränkte Selbstverwirklichung
Die Philosophie des Franchising eignet sich nicht für überzeugte Einzelkämpfer, die frei von allen Vorgaben ihre Vorstellungen verwirklichen wollen.
Sie fühlen sich durch Vorgaben des Systems leicht in ihrer unternehmerischen Selbstverwirklichung beschränkt.

Eingeschränkte Entscheidungsfreiheit
In Franchisesystemen treffen unterschiedliche Ansichten und widersprüchliche Bedürfnisse aufeinander. Der Franchisegeber wird die aufeinander treffenden Meinungen anhören und eventuelle Konflikte zum Vorteil und Nutzen des gesamten Systems lösen. Die getroffenen Entscheidungen müssen dann von allen akzeptiert werden.

Anforderungen an die Teamfähigkeit
Das Engagement in einem Franchisesystem verlangt in besonderer Weise die Fähigkeit zu Teamarbeit. Mehrere Treffen des Netzwerks sind pro Jahr üblich und notwendig. Franchisenehmer müssen bereit sein, die notwendige Zeit aufzubringen und Spaß daran haben, sich selbst, ihre Erfahrungen und ihr Know-How zum Wohl des gesamten Netzwerks einzubringen.

Vor- und Nachteile von Franchising aus Sicht des Franchisegebers

Aus Sicht eines Franchisegebers ergeben sich im Vergleich zu anderen Expansionsmodellen ebenfalls Vor- und Nachteile.

Vorteile

Überregionale Präsenz bei reduziertem Expansionsrisiko
Im Vergleich zur Gründung eigener Filialen ist das unternehmerische Risiko des Franchisegebers beim Ausbau seines Systems geringer, da die Franchisenehmer selbstständige Partner sind und ihre Investitionen und laufenden Kosten selbst zu tragen haben.

Hohe Markt- und Kundennähe
Erfahrungsgemäß bemühen sich selbständige Franchisenehmer intensiver als angestellte Manager um ihre Kunden. Zudem bringen die Franchisenehmer ihre lokalen Erfahrungen und Kontakte in die Partnerschaft ein. Da das Franchisesystem nur die Rahmenbedingungen absteckt, können die Franchisenehmer innerhalb ihrer regionalen Märkte schnell und flexibel auf Kundenwünsche und Konkurrenzaktivitäten reagieren.

Marktbeobachtung und Frühwarnsystem
Der Franchisegeber erhält von seinen Partnern laufend Rückmeldung bezüglich der Erfahrungen und Erkenntnisse auf dem Markt. Mit dem kontinuierlichen Informationsfluss aus den Franchisebetrieben steht der Systemzentrale ein gutes Marktforschungsinstrument zur Verfügung.

Nachteile

Die Einhaltung der Rahmenbedingungen ist wichtig für den einheitlichen Auftritt des Systems nach außen hin. Nur so können die Synergieeffekte genutzt werden. Hier wirkt sich die eingeschränkte Weisungsbefugnis erschwerend aus. Alle Fran-chisepartner sind rechtlich eigenständige Unternehmen, doch ein „Schwarzes Schaf“ kann den Ruf der Marke schädigen und dem gesamten Netzwerk Schaden zufügen. Zum Schutz des Netzwerks braucht die Franchisezentrale daher vertragliche Regelungen, Kontrollmechanismen und viel Überzeugungskraft. Dies stellt besondere Anforderungen an die interne Kommunikation.

Franchising in Deutschland

Knapp 1.000 Franchise Unternehmen gibt es nach Angaben des Deutschen Franchise-Verbands in Deutschland. Sie verteilen sich über alle Branchen, wobei 45 % im Dienstleistungsbereich angestellt sind.
Franchising in Deutschland
Den Anklang, den das Franchising inzwischen in Deutschland gefunden hat, zeigen die Jahr für Jahr überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Zwischen 2003 und 2013 stieg nach Angaben des Deutschen Franchiseverbands die Zahl der Franchisenehmer von 43.000 auf 76.500. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der Beschäftigten der Branche von 390.000 auf 525.000 vergrößert.

Franchisenehmer in TsdQuelle: Deutscher Franchise-Verband e.V., www.franchiseverband.com

Der Umsatz der Franchisebranche lag 2013 bei 62,8 Mrd. Euro und hat sich innerhalb der letzten 10 Jahre damit um ca. 150 % gesteigert.
Franchise-Umsatz in Mrd.Quelle: Deutscher Franchise-Verband e.V., www.franchiseverband.com

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