Eine Neuigkeit von Arbeit ist IN Der Personaldienstleister

Wie wird der Arbeitsmarkt 2010 aussehen? Interview mit BA-Chef Frank-Jürgen Weise

Wie schlimm wird es denn?
Wir rechnen mit 4,1 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2010, das wären rund 600.000 Menschen mehr als in diesem Jahr.

Wird es Massenentlassungen geben wie jetzt bei Quelle?
Derzeit sehen wir solche Entwicklungen nicht. Die Unternehmen tun alles, um ihr Personal zu halten. Denn sie wissen, dass auch Entlassungen Geld kosten und die Neu-Rekrutierung von Personal bei besserer Auftragslage ebenfalls. Die Arbeitslosigkeit entsteht eher durch viele kleine Personalanpassungen und vor allem dadurch, dass viele Unternehmen in der Krise nicht einstellen.

Aber was ist, wenn die Kurzarbeit nicht mehr trägt? Dann müssen die Firmen doch entlassen?
Das wird passieren. Aber ich sehe, dass die allermeisten Unternehmer nur im Notfall diesen Schritt gehen werden. Viele sind bereit, auch mal ein oder zwei Jahre geringere Gewinne in Kauf zu nehmen.

Sind die Pläne der neuen Bundesregierung der richtige Weg, um Arbeitslosigkeit zu bekämpfen?
Die Beschlüsse der Koalition geben uns einen sehr guten Rahmen für erfolgreiche Arbeit in der Zukunft. Ich bin überzeugt, dass die Bundesagentur künftig einen noch besseren Beitrag im Kampf gegen Arbeitslosigkeit leisten kann. Aber wir verhindern weder Entlassungen noch schaffen wir Arbeitsplätze.

Freuen Sie sich darüber, dass ihr Defizit nun mit einer Einmalzahlung ausgeglichen wird?
Sagen wir es so: Es ist eine vernünftige Lösung. Sie sichert die Handlungsfähigkeit und Eigenständigkeit der BA und belastet die Beitragszahler so wenig wie möglich.

Welche Personengruppen sind vom konjunkturellen Abschwung besonders betroffen?
Vor allem Männer und Jüngere unter 25 Jahren. Hier spiegelt sich wider, dass Männer überproportional stark in Branchen vertreten sind, die sehr unter der Krise zu leiden haben, zum Beispiel Automobil oder Maschinenbau. Und Jüngere tragen ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden, weil sie in der Regel noch nicht so lange dem Unternehmen angehören, kürzere Kündigungsfristen aufweisen und im Zusammenhang mit Sozialauswahl zuerst zu entlassen sind.

Gibt es bestimmte Berufe, die besonders vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen sind?
Vor allem Metallerzeuger und –bearbeiter sind sehr stark betroffen. In dieser Gruppe hat sich die Arbeitslosigkeit seit letztem Juli mehr als verdoppelt. Aber auch bei den Maschinisten, den Schlossern sowie den Chemiearbeitern und Kunststoffverarbeitern ist die Arbeitslosigkeit um rund die Hälfte angestiegen.

Und wo sieht es gut aus?
In den Bereichen, die konjunkturunabhängig sind: Medizin, Altenpflege, Kinderbetreuung. Auch Lehrer werden gesucht.

Was wird jetzt nach der Bundestagswahl aus den ARGEn? Was bedeutet die getrennte Trägerschaft genau?
Getrennte Trägerschaft bedeutet: Die BA ist für die Geldleistung zum Lebensunterhalt und alle Fragen rund um das Thema Arbeit verantwortlich. Die Kommune ist zuständig für die Kosten der Unterkunft, also Miete, Strom usw.. Die ARGEn werden also in ihrer heutigen Form nicht weiter bestehen. Wir streben aber auch künftig eine enge Zusammenarbeit mit den Kommunen an, so dass die Bürger ihre Leistungen unter einem Dach bekommen.

Erstellt am 12.05.2010 von

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