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Arzthaftung: Der Dauerbrenner Operationen mit schweren Schadensfolgen

Fußlähmung nach vermeidbarer Hüft-Operation

50.000 Euro Schmerzensgeld

OLG Koblenz, Beschluss vom 21. Oktober 2016, Az: 5 U 881/16

Wichtige Gerichtsentscheidung für alle Patienten mit Hüftbeschwerden: Allein die erkennbaren Symptome und Beschwerden (sogenannte klinische Befunde) sind entscheidend für die Indikation einer Hüftoperation!

Der Fall

Der Patient befand sich seit 2002 in Behandlung des beklagten Arztes. 2011 diagnostizierte er bei dem Patienten auf Röntgenaufnahmen eine sogenannte Coxarthrose - also eine zunehmende Zerstörung des Gelenkknorpels - und stellte die Indikation zur Implantation einer Prothese am rechten Hüftgelenk. Eine Aufklärung über Behandlungsalternativen/konservative Therapien (u.a. Physiotherapie, Krankengymnastik, medikamentöse Behandlung) erfolgte nicht. Im Rahmen des operativen Eingriffs Oktober 2011 verletzte der Arzt seinen Ischiasnerv, der zur teilweisen Lähmung des Fußes führte. Aufgrund seiner dauerhaften Beschwerden benötigt der Patient zeitlebens Schmerzmittel und Krankengymnastik.

Die Entscheidung der Koblenzer Richter

Sowohl das Landgericht als auch das Oberlandesgericht in Koblenz haben den Arzt wegen der massiven und dauerhaften Beeinträchtigungen des Patienten zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 € verurteilt. Es habe an der OP-Indikation zur Hüftoperation gefehlt. Entscheidend sei nicht das Ergebnis einer röntgenologischen Untersuchung, sondern vielmehr allein der klinische Befund des Patienten, also seine tatsächlichen Einschränkungen und Beschwerden. Diese waren minimal und rechtfertigten keine Implantation einer Hüftprothese, zumal die alternativen konservativen Behandlungsmöglichkeiten, die immer zuerst ausgeschöpft werden müssen, nicht verordnet bzw. durchgeführt und mit dem Patienten auch nicht besprochen wurden.

Fazit

Nicht alle Operationen sind medizinisch notwendig, spülen dafür den Krankenhäusern aber viel Geld in die Kassen, da das deutsche Abrechnungsystem chirurgische Eingriffe belohnt. In der Folge werden immer wieder Patienten operiert, denen zum Beispiel auch eine andere Therapie genauso oder gar besser helfen könnte.

Sollten Patienten infolge unnötiger Operation erhebliche Beschwerden erleiden, haben diese Anspruch auf Kompensation ihrer erlittenen Schäden (beispielsweise Schmerzensgeld, Verdienstausfall- und Haushaltsführungsschäden). Die genauere Schadensbezifferung ist im Einzelfall sehr anspruchsvoll, deshalb sollte immer ein Anwalt mit entsprechender Qualifikation konsultiert werden. Wichtig ist, dass Patienten in vergleichbaren Fällen kompetent und durchsetzungsstark vertreten werden.



Erstellt am 27.04.2018 von

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